Pflanzen per App bestimmen und die Biodiversität erforschen

Flora Incognita und die Wurzeln am Kyffhäuser

Viele Menschen benutzen die weltweit erfolgreichste, kostenlose Pflanzenerkennungs-App „Flora Incognita“. Jedoch ist nur den wenigsten bekannt, dass diese App maßgeblich von einer Biologin und einem Informatiker entwickelt wurde, die ihre Wurzeln in Bad Frankenhausen haben...

Wer beim Wandern eine Blume sieht und sich fragt, wie diese heißt, braucht kein Bestimmungsbuch mehr zu Rate ziehen. Es reicht, das Handy aus der Tasche zu nehmen und ein Foto zu machen - den Rest übernimmt eine KI und die Arbeit zweier Forschungsinstitute, die ihre Expertise in technologischer Entwicklung und Botanik zusammengetan haben um die App "Flora Incognita" zu entwickeln. Die Entwicklung der App, das Training der KI und die technischen Raffinessen hinter der App verantwortet Prof. Patrick Mäder an der Technischen Universität Ilmenau. Am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena leitet Dr. Jana Wäldchen die Forschungsgruppe, die dafür sorgt, dass Pflanzenarten zuverlässig erkannt und die botanischen Grundlagen der App kontinuierlich weiterentwickelt werden. Doch Flora Incognita kann weit mehr als Pflanzen bestimmen. Die App ist kostenlos, werbefrei, in über 30 Sprachen verfügbar und wurde bereits über 10 Millionen Mal heruntergeladen.


Über 30.000 Pflanzensteckbriefe laden zum Erkunden ein, die eigenen Pflanzenfunde werden in einem digitalen Herbarium gespeichert, und die interaktive Kartenansicht weckt Erinnerungen an die Erkundungen im Garten oder Sommerurlaub. Abzeichen belohnen für das Finden vieler Pflanzen, und Citizen-Science-Projekte laden dazu ein, nicht nur die eigene Neugier zu befriedigen, sondern auch Daten für Forschungsprojekte zu sammeln.

Diese Daten eröffnen der Wissenschaft ganz neue Möglichkeiten. „Pflanzen werden vor allem dann fotografiert, wenn sie blühen“, erklärt Jana Wäldchen. Millionen von Beobachtungen ermöglichen es ihrem Forschungsteam unter anderem, Veränderungen der Blühzeiten über viele Jahre hinweg zu dokumentieren – in Deutschland ebenso wie in weiten Teilen Europas. Und Millionen Pflanzenfunde geben Aufschluss über die Beschaffenheit von Böden in europäischen Städten.

Für Jana Wäldchen ist der Vortrag im Regionalmuseum Bad Frankenhausen ein echtes Heimspiel, denn sie ist in dieser Stadt zu Hause, kennt die Steppenrasen des Kyffhäusers wie ihre Westentasche.
Sie lädt ein, hinter die Kulissen der beliebten App zu schauen. Erfahren Sie, wie die automatische Bestimmung funktioniert, welche Forschungsfragen noch Antworten suchen und wohin die Flora-Reise in den nächsten Jahren hingehen soll.

Der Vortrag ist Teil der Vortragsreihe „Heimspiel Wissenschaft“. Sie bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Wurzeln in ländlichen Regionen zurück in ihre Heimatorte. Dort berichten sie aus ihrer Forschung, geben Einblicke in ihre Arbeit und zeigen, welche spannenden Bezüge es zu unserem Alltag gibt.
Wir laden sehr herzlich zu diesem Vortrag ein.
    
nordthueringen.de bei Google bevorzugen