Kinderlebenslauf machte am Kiesschacht Station

110 Kilometer zu Fuß und Pferde für die gute Sache

Fünf Tage, 110 Kilometer, zwei Pferde, viele Begegnungen und eine Fackel mit einer wichtigen Botschaft: Der Thüringer Kinderhospizdienst hat im Rahmen des Kinder-Lebens-Laufs des Bundesverbandes Kinderhospiz einmal Thüringen durchquert. Gestern kam man geschafft aber glücklich am Kiesschacht in Nordhausen an…

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Nach fünf Tagen und 110 Kilometern Fußweg kamen Franziska Köhler und Doreen Findeisen gestern mit ihren Pferden Alibaba und Alfi und der "Engelsfackel" des Kinder-Lebens-Laufes in Nordhausen an. Auf den letzten Metern wurde das Quartett aus Mensch und Tier vom Bielener Kindergarten, Familien und Kindern die der Hospizdienst betreut und der Firma Jüttner (Foto: agl)

„Gemeinsam stark, gemeinsam laut“ – unter diesem Motto steht der im Jahr 2018 ins Leben gerufenen „Kinder-Lebens-Lauf“. Bei der bundesweite Aktion, wird die symbolische „Engelsfackel“ durch Deutschland getragen und von Station zu Station weitergegeben. Mit dem Staffellauf soll auf Kinder und junge Menschen mit lebensverkürzenden Erkrankungen und ihre Familien aufmerksam gemacht werden, wie auch auf die Arbeit derer, die sie im Alltag unterstützen und oft über Jahre hinweg begleiten.


Die Thüringer Etappe übernahmen Franziska Bierwisch vom Kinderhospizdienst und Erzieherin Doreen Findeisen aus Herrmannsacker vor fünf Tagen nahmen sie die Fackel in Friedrichroda entgegen. Die folgenden 110 Kilometer Wegstrecke wollte man zu Fuß zurück legen. Um nicht unter sich zu bleiben und einen „Hingucker“ zu haben, brachten die beiden Damen das „A-Team“ mit; Alibaba und Alfi, zwei Therapiepferde. „Wir wollten Zeit zum reden haben und mit Leuten in Kontakt kommen, die mit unserer Arbeit sonst eher keine Berührungspunkte haben. Das hat super funktioniert, auch dank der Tiere, die natürlich für Aufmerksamkeit gesorgt haben. In den letzten Tagen haben wir bestimmt um die einhundert Gespräche geführt und auf der Strecke viel erlebt.“, berichtet Franziska Bierwisch, die in Nordhausen für den Hospizdienst die ambulante Betreuung der Familien organisiert.

Unter kam man am Wegesrand, auf einer Ranch und bei privaten Unterstützern und Freunden. Am Ende des Weges waren Mensch und Tier sichtlich erschöpft aber glücklich, die beiden Rösser hatten nur noch Augen für das grüne Gras und weniger für das Empfangskomitee am Nordhäuser Strandbad.

Dass man gerade hier die Fackel übergeben wollte, hat seine Gründe. Der Hospizdienst hat vor einiger Zeit die alte Strandgaststätte am Kiesteich erworben und will hier eine inklusive Erholungsstätte einrichten. „Familien, in denen Kinder mit Einschränkungen, Behinderungen und schweren bis tödlichen Erkrankungen leben, bekommen ihren Alltag im eigenen Umfeld oft gut organisiert. Sobald man aber aus diesem Raum heraus geht, etwa um einmal in den Urlaub zu fahren, wird es schwer. Passende, barrierefreie Angebote sind in Deutschland rar gesät. Mit dem „Strandwerk“ wollen wir Abhilfe schaffen und eine passende Unterkunft mit Betreuung bieten“, berichtet Michael Heber, Geschäftsführer der eigens zum Zwecke gegründeten Tochterfirma des Hospizdienstes.

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v.l.: Michael Heber, Franziska Köhler, Pferd Alibaba und Nicole Dockhorn, Geschäftsführerin des Thüringer Kinderhospizdienstes (Foto: agl)

Rund 7.000 Quadratmeter stehen dafür zur Verfügung, im Moment arbeite man aber noch auf kleiner Flamme, vor allem mit Jugendgruppen, Schulen und Kindergärten, erläutert Heber weiter. Ein Start ist gemacht, ehe die volle Realisierung der Idee möglich wird, müssen aber noch ein paar Hürden genommen werden.

Zwei Haken hat die Sache: zum Einen sind noch Erschließungsmaßnahmen nötig, die man erst dann angehen kann, wenn man weiß ob das erweiterte Konzept denn auch eine Chance hat. Das hängt wiederum davon ab, ob man Zugang zum Wasser bekommt und hier barrierefreie Anlagen errichten kann. Der Streifen Land, den man dafür bräuchte, gehört aber der Stadt und die zeigte sich in Sachen Kiesgewässer bis zuletzt behäbig.

Zwei mal wollte man in den Gremien des Stadtrates persönlich vorstellig werden um das Projekt bekannt zu machen, zwei mal musste man unverrichteter Dinge wieder abziehen, Kauf oder Pacht des schmalen Stückchens waren nicht möglich. Inzwischen gibt es im Rathaus nun aber ein „Kiesseenkonzept“ und da würde sich das „Strandwerk“ eigentlich gut einfügen, meint Heber. Mit dem Konzept im Rücken wolle man demnächst einen weiteren Anlauf wagen, so der Geschäftsführer.

Für das Hospiz und Nordhausen wäre die Ansiedlung ein neues Kapitel in einer bewegten und nicht immer ganz einfachen Geschichte. Ursprünglich hatte man das Kinderhospiz in der Rolandsstadt errichten wollen, aus diversen Gründen wurde daraus nichts und die stationäre Hilfe findet heute in Tambach-Dietharz und nicht in Nordhausen statt. Das Herz des Vereins schlägt aber weiter am Südharz, Franziska Bierwisch mit der ambulanten Hilfe und die Verwaltung haben ihre Heimat hier. Und so ist man hoffnungsvoll, dass es mit dem „Strandwerk“ noch klappt und bald Bewegung in die Sache kommt.

In Bewegung soll auch die „Engelsfackel“ bleiben, Bierwisch übergab den Stab gestern Nachmittag an Morris Furkert vom „Herztakter“, einem gemeinnützigen Verein aus Buttstädt, der mit einem schmucken, alten Wartburg bei Ostklassiker- und Oldtimertreffen Spenden für die Hospizarbeit sammelt. Furkert wird die Fackel heute also mit mehr als zwei Pferdestärken Richtung Leipzig bringen und hier an das Kindermuseum „Unikatum“ übergeben.

Mit der Aktion hofft man auch, weitere helfende Hände zu finden, insbesondere ehrenamtliche Familienbegleiter werden gesucht. Die nächste Informationsveranstaltung rund um die Begleitung im Hospizdienst findet am Mittwoch kommender Woche um 17 Uhr in den Räumen der ambulanten Hilfe am Grimmel 17 in Nordhausen statt.
Angelo Glashagel
    
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