Eine sportliche Premiere feierte man gestern am Harzer Hexenbesen bei Rothesütte: es wurde um die Wette gerutscht und die ersten Weltmeister Titel am Hexenbesen vergeben. Den Nordhäuser Herausforderern hatte man dazu harte Konkurrenz an die Seite gestellt: Olympiasieger Christopher Grotheer…
Am Harzer Hexenbesen wurde gestern um die Wette gerutscht (Foto: agl)
100 Meter Strecke bietet die lange Rutsche am Harzer Hexenbesen und ist vor allem als Spaß für Groß und Klein gedacht. Gestern Nachmittag sauste man die Ruschte im olympischen Geiste hinab, bei der ersten Speedmeisterschaft am Hexenbesen traten sechs Damen und neun Herren gegeneinander an, darunter auch der Olympiasieger Christopher Grotheer.
Im Skeleton hat der Spitzensportler aus dem Harz in Peking Gold geholt und darüber hinaus sieben Weltmeisterschaften und zwei Bronzemedaillen unter den Kufen, doch würde sich die Erfahrung aus dem Eiskanal auch auf die Rutsche übertragen lassen?
Zwei Testläufe konnten die Teilnehmer am Nachmittag absolvieren, danach folgten zwei Wertungsläufe, gezählt wurde die beste Zeit. Im Starterfeld der Damen:
Jana Zöller - Geschäftsführerin der EVN, die einfach Spaß haben als Wettkampfziel ausgab
Katrin Materlik - Chefin der Stadtwerke, die vorne mitrutschen wollte
Elena Rinas - Moderatorin bei Antenne Thüringen, die erst einmal ihre Höhenangst überwinden musste
Louisa Krüger - Korrespondentin des Mitteldeutschen Rundfunks, die im olympischen Gedanken "dabei sein ist alles" an den Start ging
Ines Busch - zu Hause in der Wintersportgruppe der DKB, also quasi gleichauf mit Rodelmeister Grotheer
und schließlich, die Haxn - Nordhausens Brockenhexe versprach extra langsam zu machen damit die anderen eine Chance auf den Sieg haben
Den Herren mit Helm galt es zu schlagen: Olympiasieger Christopher Grotheer (Foto: agl)
Bei den Herren am Start:
Steffen Wolter - die Wildcard aus Haferungen, hatte mit der Bestzeit in den Trainingsläufen gleich ein Ausrufezeichen gesetzt
Matthias Jendricke - Landrat, durch eine Erkältung leicht angeschlagen
Christopher Grotheer - sportlich der klare Favorit
Mario Seidler - ebenfalls aus de DKB Wintersport
Thomas Riemekasten - Spitzenkraft bei Wacker Nordhausen
Nils Neu - ließ sich mit NUV, NUV, NUV anfeuern
Andreas Trump - Beigeordneter der Stadt Nordhausen, Gymnasialdirektor und bereit, um 100tel zu kämpfen
Gunnar Reuter - der Hausherr mit Heimvorteil
Thomas Seeber - Sparkassenchef, im roten Glückstrikot
Im Rennen der Damen war man nah beieinander, nach dem ersten Vorlauf hatte Radiomoderatorin Elena Rinas mit einer Zeit von 15:08 Sekunden aber die Nase knapp vorn, dicht gefolgt von Kollegin Lousia Krüger mit 15.18 Sekunden und Katrin Materlik mit einer Zeit von 15:21 Sekunden. Aber am Ende zählte nur der beste Lauf und den legte schließlich die kleine, drahtige Materlik mit einer Bestzeit von 14.95 Sekunden hin. Rinas musste sich mit Platz zwei begnügen, Louisa Krüger mit dem Bronzerang.
Für den Lauf der Herren war natürlich Grotheer Favorit, im passenden Dress samt Helm sollte der auch technisch die Nase vorn haben, der Kopfschutz stellte sich im ersten Lauf jedoch als Nachteil heraus, wichtige Hundertstel verlor der Olympiasieger schon beim Start, kommt im ersten Wertungslauf nur auf Platz Drei. Die Kampfansage an das Feld der Konkurrenten kam indes von der Wildcard auf der Sportmetropole Haferungen - Steffen Wolter legte mit 12:54 Sekunden den schnellsten Rutsch hin, dicht gefolgt von Landrat Jendricke mit einer Zeit von 13.31 Sekunden. Kommentar des Moderators: vielleicht hat die Physik geholfen, Kraft gleich Masse mal Beschleunigung.
Im zweiten Lauf legte der Landrat noch ein Schippe drauf und war nach 12:71 Sekunden im Ziel. Um Wolter zu schlagen war das nicht genug, eine dritte Rekordzeit konnte die "Wildcard" aber nicht abliefern. Mit 12:94 Sekunden konnte sich aber auch sein zweiter Lauf sehen lassen, und den Sieg hatte Wolter da eh schon sicher. Auch Olympionike Grotheer kam da nicht mehr ran, für ihn gab es Bronze.
Steffen Wolter aus Haferungen holte den Sieg bei den Herren und kann sich nun "Weltmeister" nennen (Foto: agl)
Marketing-Meisterschaft
Das Zuschauerfeld war an diesem Dienstagnachmittag freilich eher überschaubar, ein Publikumsmagnet konnte der kleine Spaß gar nicht werden. Für die Premiere hatte man sich aber die Teilnahme des Olympiasiegers gewünscht, berichtete Sportkoordinator Werner Hütcher und der habe leider einen eng gesteckten Terminkalender. Statt großem Event für also eher ein Marketing-Gag, der sich dank der Teilnahme von MDR und Antenne Thüringen aber zumindest in Sachen Reichweite gelohnt haben dürfte. Am Rande der Veranstaltung waren zudem noch ein paar Dinge zu erfahren, die man so noch nicht gehört hat, etwa zu den Besucherzahlen des Hexenbesens: rund 100.000 Gäste will man in den letzten 10 Monaten gezählt haben, sprach Hausherr Reuter vor dem Wettkampf in die Mikrofone.
Eine Wiederholung soll es im kommenden Jahr geben, dann sollte man die spaßige Idee vielleicht auch für Rutschbegeisterte Besucher öffnen. Das Breitensport auch am Hexenbesen funktionieren kann, hat der Halloween-Lauf in den letzten beiden Jahren gezeigt und der wird auch in diesem Jahr wieder am 31. Oktober stattfinden. Ohne Olympia, aber mit Massenstart. Angelo Glashagel