Vom Bahnhof zog heute Nachmittag der zweite Christopher Street Day in Richtung Innenstadt. Unter dem Motto "Wir sind hier noch lange nicht fertig" wollte man für die Rechte queerer Menschen Gesicht zeigen, denn selbstverständlich seien die heute immer noch nicht...
In Nordhausen fand heute zum zweiten Mal ein "Christopher Street Day" statt (Foto: agl)
Der "Christopher Street Day", kurz CSD, zog am Nachmittag vom Bahnhofsplatz aus mit rund 250 Teilnehmern in Richtung Rathaus um für die Sichtbarkeit und das Existenzrecht queerer Menschen in Deutschland die Stimmen zu erheben. Ziel solle eine Gesellschaft sein, in der man seine Existenz nicht erklären muss, in der man keine Angst haben müsse, sich zu "outen" und in der das Recht, sein eigenes Leben frei zu entfalten und zu lieben, wen man will, eine Selbstverständlichkeit ist.
Von diesem Ziel rücke das Land im Moment eher weiter ab, so der Tenor heute auf dem Bahnhofsplatz. Der Anschlag auf den CSD in Berlin und nicht zuletzt auch das Wahlergebnis der rechtsextremen AfD in Sachsen-Anhalt habe gezeigt, das Queerfeindlichkeit und Ausgrenzung wieder salonfähig werden in Deutschland. Beledigungen, Bedrohungen und Gewalt gegen queere Mitmenschen sei keien Nebensache und müsse Ernst genommen werden.
Für die Opfer des Anschlags in Berlin Ende Juli wurde um eine Schweigeminute gebeten, das Ergebnis der Landtagswahl hingegen wurde wortreich kritisiert. Dass mit der AfD hier eine Partei derart viele Stimmen holen konnte, die queeren Menschen die freie Entfaltung ihrer Rechte offen abspricht, sich gegen die Akzeptanz stellt und für andere Lebensentwürfe in ihrer gewünschten "Normalität" keinen Platz sieht, müsse eine dringende Mahnung sein. Es sei nun umso wichtiger, beieinander zu stehen und sich sichtbar zu machen. Das gelte gerade auch für den ländlichen Raum und Orte wie Nordhausen, denn nicht nur in Berlin, Köln und Leipzig wollen queere Menschen ihr Leben ohne Anfeindung und Hass leben können.
Queere Rechte seien keine Sonder- sondern Menschenrechte und die habe man nicht einfach bekommen, sondern habe sie lange erkämpfen müssen. Deswegen könne und wolle man auch jetzt nicht klein beigeben, wenn Ausgrenzung wieder gesellschaftsfähig werde und man mit Vorurteilen Mehrheiten gewinnen kann. Eben deswegen das Motto, "Wir sind hier noch nicht fertig". Sei, wer du willst, liebe, wen du willst, das müsse jeden Tag gelten.
Nach den Redebeiträgen ging es unter lauter Beschallung vom Bahnhof aus in Richtung Rathaus zu weiteren Worten, anders als im vergangenen Jahr diesmal ohne "Anti-CSD" am Straßenrand. Danach kam man auf dem Petersberg zusammen und heute Abend soll in der Kleinen Freiheit dann wirklich gefeiert werden. Angelo Glashagel