Zum Tag des offenen Denkmals 1996 öffnete das Nordhäuser Kornmuseum zum ersten mal seine Tore. Die alte Brennerei ist 30 Jahre später eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region. In der Tradi soll dieses runde Jubiläum demnächst ordentlich gefeiert werden und zwar auf den Tag genau…
Aus drei Jahrzehnten Museumsgeschichte kann Thomas Müller viele Geschichten erzählen. Etwa wie Henriette zu ihrem goldenen Schnabel kam. (Foto: agl)
In Erinnerung an die Anfänge wird man drei Jahrzehnte nach der Taufe in diesem Jahr pünktlich zum Tag des offenen Denkmals am 13. September Geburtstag feiern, berichtet Museumsleiter Thomas Müller. Die Traditionsbrennerei ist in diesem Jahr der offizielle Eröffnungsort für Stadt und Landkreis Nordhausen, wie gewohnt wird der Reigen des Denkmalstages pünktlich um zehn Uhr eröffnet.
Anders als sonst üblich geht es in der alten Brennerei in diesem Jahr aber eigentlich schon eine Stunde früher los. Wir öffnen schon um neun die Tore und laden zu Gratis Pancakes aus eigener Herstellung und einem Gläschen Rotkäppchen Sekt. Wir haben das vor kurzem bei einem Besuch in Kanada erlebt, da war richtig was los und wir wollen mal sehen, ob das auch in Nordhausen klappt, erzählt Müller.
Mit Experimenten, Wagnissen, Kunst und kreativen Ideen hat man über die letzten 30 Jahre viele Erfahrungen gesammelt, sodass Müller eigentlich gar nicht mehr recht von einem einfachen Museum sprechen mag. Natürlich haben wir die Korngeschichte und die Technik hier, spätestens mit dem Einbau der neuen Brennblase 2020, den Brenntagen und unseren Eigenkreationen sind wir heute aber auch eine Art Erlebniswelt rund um den Nordhäuser Korn, erzählt der Tradi-Chef, man bewege sich dabei aber weiter in guter Tradition. Die Zusammenarbeit mit dem Theater und die Vorführungen von Bühnenstücken wie Veronika, der Korn ist da oder Brenner & Brenner oder auch die enge Verbindung mit den Floristen der Region über die nach wie vor überaus beliebte Adventsausstellung gehen in die Frühzeit des Hauses zurück.
Wir feiern 170 Jahre Brennerei Seidel wobei unser Ensemble hier ziemlich genau 120 Jahre alt ist und 30 Jahre Traditionsbrennerei. Und diese jüngste Geschichte könnte man nicht ohne den Nachfahren der Seidel'schen Brennherren, Jochen Einenckel, erzählen. Die alte Brennerei wurde in den 1970er Jahren verstaatlicht und von Nordbrand übernommen, 1988 dann aber ordentlich gekauft. Ohne diesen Glücksfall hätte die Rückübertragung nach der Wende vielleicht nicht geklappt. Das Areal hier war zu dem Zeitpunkt völlig überbaut und Jochen hat die Wiederherstellung und den Aufbau des Museums damals maßgeblich vorangetrieben und die Traditionsbrennerei, wie wir sie heute kennen erst möglich gemacht. Vieles, was wir in der Ausstellung zeigen können, wäre in der Tonne gelandet, hätte er diese Stücke nicht bei den Nachfahren der alten Brennherren eingesammelt, erzählt Müller. Wo Einenckel Vater der Tradi war, wurde Sonja Erlenburg zur Mutter. Die Fachfrau aus dem Tabakspeicher legte die Grundlagen und Netzwerke, von denen man noch heute lebt, berichtet Thomas Müller. Sie hatte überall ihre Finger drin, das ging mit dem Theater los, zum Rosarium in Sangerhausen und bis zu den Floristen und vielen mehr. In der 20. Adventsausstellung allein hatten wir im letzten Jahr rund 6.000 Besucher. Sie hat da die Maßstäbe gesetzt.
In den ersten Jahren sah es, trotz aller Mühe, übel aus - marode Balken, kaputte Fenster, viel morsches Holz. Mit Herzblut und tatkräftiger Hilfe der Thüringer Denkmalpflege in Weimar wurde das Nordhäuser Kleinod seitdem wieder hergerichtet und die Arbeit dauert weiter an. Allein im letzten Jahr wurden für die Dachsanierung große Summen in die Hand genommen. In den Anfangsjahren lag man bei 2.000 bis 4.000 Besuchern, man hat klein angefangen. Heute liegen wir bei rund 29.000 Besuchern in der Ausstellung und etwa 42.000 Besuchern insgesamt, was die Traditionsbrennerei nach der Gedenkstätte Mittelbau-Dora auf Platz Zwei unserer Museen bringt. Und wir haben Fans über die Region hinaus in ganz Deutschland, erzählt Müller.
Entsprechend voll sollte der Hof zum Jubiläum werden, neben dem Sektfrühstück lädt man am Denkmalstag auch:
zum Anschnitt der Geburtstagstorte um 10 Uhr,
zu kostenlosen Führungen zu Transmission, Dampfmaschine und Mühle um 11 und 13 Uhr
einem Chorkonzert mit Cantamus um 15 Uhr
Live Musik mit dem Haus- und Hofmusiker der Traditionsbrennerei, Ronald Gäßlein
Gegrilltem und Getränken vom Café Central
selbstgebackenem Kuchen aus dem eigenen Haus
und an den Cocktailstand
Wer am Tag des offenen Denkmals schon zu viel auf dem Zettel hat, den Geburtstagsreigen aber trotzdem mitfeiern will, der kann am Vorabend, dem 12. September, auch das Hofkonzert mit den Stubenhockern besuchen. Ein paar Karten gibt es noch und neben guter Musik verspricht der Abend eine besondere Illumination des historischen Ensembles, bei dem dann auch das Korn-Maskottchen Henriette eine überlebensgroße Rolle spielen soll. Angelo Glashagel