Wer will fleißige Bauarbeiter sehen? Der muss zu den Kindern gehen - wie im Lied konnte man sich bei der Grundsteinlegung für die schöne Franzi im Ossietzky-Hof in Nordhausen Nord auf den Nachwuchs verlassen. 24 neue Wohnungen sollen am alten Standort des Schwesternwohnheims entstehen und das in nur einem Jahr…
Bei der Grundsteinlegung für "Franzi" durften heute die Kinder der "Kleinen Strolche" mit anpacken (Foto: agl)
Mit dem Bauarbeiterhelm auf dem Kopf und der Maurerkelle in der Hand durften die Kinder der Kleinen Strolche bei der Grundsteinlegung im Ossietzky-Hof aushelfen. In direkter Nachbarschaft hat die Kita den besten Blick auf das Geschehen, nach den Umbauarbeiten an Sophie und Ludwig A und B, den drei anderen Blöcken des Quartiers, steht nun der erste echte Neubau an und bei den Strolchen wird schon fleißig Tagebuch geführt und genauestens beobachtet, was sich da tut.
Tagebuch führt man auch beim Bauherren, allerdings etwas technischer als bei den kleinen Nachbarn. 24 neue Wohnungen soll Franzi beherbergen und schon in einem Jahr will man in die Vermietung gehen, kündigte SWG-Chefin Inge Klaan heute an, im zweiten Quartal 2027 soll alles fertig sein. Das fünfgeschossige Gebäude wird dazu mit Hilfe der Firma Z-Geschossbau in serieller Bauweise errichtet.
SWG Geschäftsführerin Inge Klaan stellte den letzten Schritt der Quartierssanierung am Ossietzky-Hof vor (Foto: agl)Serielles Bauen spart Zeit und Kosten
Franzi wird im Rahmen des Verfahrens Serielles und modulares Bauen 2.0 des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) umgesetzt. Das GdW-Vergabeverfahren ermöglicht uns als kommunales Wohnungsunternehmen kurze Bau- und Verfahrenszeiten. Wir sparen mehr als zwei Jahre, können also viel schneller mit dem Angebot an den Markt. Die derzeit hohen Baukosten stellen uns als Wohnungswirtschaft sowohl bei der Sanierung unserer Bestandswohnungen als auch im Neubau vor große Herausforderungen. Ergebnisse des europaweiten Ausschreibungsverfahrens waren mehrere Unternehmen, die sich sowohl mit Gebäuden in Holz, Holzhybrid als auch Umweltbeton beworben haben. Der Preisvergleich der unterschiedlichen Varianten hat deutlich gezeigt, dass der Blähbeton, der bei Franzi Materialgrundlage ist, deutlich günstiger für uns wird als die ursprünglich einmal vorgesehene Holz-Hybrid-Variante, sagt SWG-Geschäftsführerin Inge Klaan. Nur mit der Blähbeton-Variante könne der Neubau zu bezahlbaren Mieten realisiert und das Quartierskonzept beendet werden.
Die serielle Bauweise habe gerade im Osten lange keinen guten Leumund gehabt, so Klaan, derlei Vorbehalte seien heute fehl am Platz, man werde zügig aber auch mit Qualität bauen und moderne Wohnungen anbieten können. Wir erhalten eine sehr gute Wohnqualität und wollen mit dem neuen Angebot auch der Nachfrage nach barrierearmem Wohnraum Rechnung tragen, sagt die SWG-Chefin.
24 Wohnungen für unterschiedliche Bedürfnisse
Auf den fünf Etagen von Franzi entstehen Zwei- bis Vier-Raum-Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 68 und 96 Quadratmetern. Die 24 Wohnungen sind barrierearm bzw. barrierefrei. Ein Aufzug erschließt sämtliche Etagen. Die vier Wohnungen im Erdgeschoss erhalten jeweils eine 16 Quadratmeter große Terrasse, die übrigen Wohnungen einen Balkon zum Innenhof. Für Fahrräder sowie Kinderwagen und Rollatoren sind separate Abstellräume im Erdgeschoss vorgesehen. Zusätzlich verfügt jede Wohnung über eigene Abstellflächen.
Darf bei Feierlichkeiten auf Nordhäuser Baustellen nicht fehlen: der Korn. Im Hintergrund das Modell des Neubaus mit seiner "Schokoladenseite", die Balkone gehen in Zukunft auf den begrünten Hinterhof des Quartiers (Foto: agl)Betonfertigteile aus vier Bundesländern
Eine Besonderheit des Neubaus ist die serielle Bauweise mit Betonfertigteilen. Wände, Decken, Balkonfertigteile und Treppen werden in vier Werken in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen vorgefertigt, nach Nordhausen geliefert und auf der Baustelle montiert.
Die Fertigteile werden wie beim LEGO vor Ort zusammengesetzt. Die Besonderheit bei unseren Lego-Steinen ist, dass diese in ihrer Größe variabel sind. Somit können wir die Gebäude individueller an die Grundstücke anpassen und mehr dringend benötigten Wohnraum schaffen, erklärt Michael Herzog, Geschäftsführer von Z-Geschossbau. Die Vorfertigung im Werk ermöglicht die Herstellung unter definierten Bedingungen und macht sie unabhängig vom Wetter. Für die Montage eines Geschosses auf der Baustelle sind etwa zwei Wochen vorgesehen.
Nach aktuellem Planstand werden für das Gebäude voraussichtlich rund 525 Einzelelemente benötigt. Begleitend mit den Rohbauarbeiten werden die Fenster auf der Baustelle eingesetzt.
Sofort anschließend erfolgen die weiteren Fassaden- sowie die Dacharbeiten, sodass schnell eine geschlossene Hülle entsteht. Die weiteren Innenausbauarbeiten können dann ausgeführt werden. Auch hier setzt Z-Geschossbau auf vorgefertigte Lösungen, beispielsweise bei der Erstellung der Bäder, wo Schachtregister und Sanitärmodule eingesetzt werden.
Die Visualisierung zeigt wie Franzi aussehen soll (Foto: wiechers beck und partner Gesellschaft von Architekten mbH) Energieeffizient und mit erneuerbaren Energien Beim Energiekonzept setzt die SWG auf eine identische Lösung wie im Haus Sophia. Franzi wird als Energieeffizienzhaus 40 errichtet und verfügt über eine Fußbodenheizung sowie eine Wärmepumpe. Bei hohem Heizbedarf wird Fernwärme zugeschaltet. Ergänzend kommt eine Abluftwärmepumpe zum Einsatz, über die das Warmwasser des Hauses erwärmt wird. Der für die Wärmepumpen benötigte Strom wird über eine eigene PV-Anlage auf dem Dach erzeugt. Das trägt dazu bei, die Nebenkosten für die Mieter niedrig zu halten.
Franzi als Abschluss des Ossietzky-Hofs
Mit Franzi wird das IBA-Projekt Multitalent Ossietzky-Hof abgeschlossen. Das von der ARGE Ossietzky-Hof entwickelte Sanierungskonzept sah den Umbau der beiden Bestandsgebäude Ludwig und Sophia vor. Der Innenhof wurde entsiegelt und als grüner Erholungsraum gestaltet. Das dritte Hofgebäude, ein ehemaliges Schwesternwohnheim in Großblockbauweise, wurde abgerissen. An seiner Stelle entsteht nun Franzi als Ersatzneubau. Die Namen für die drei Gebäude hat die ARGE erfunden, sie referieren auf keine echten Menschen.
Die SWG geht von einem Mietpreis von rund 13,50 Euro pro Quadratmeter aus, die Nebenkosten sollen dank des vernetzten Energiekonzeptes moderat bis günstig ausfallen. Interessenten für die Wohnungen können sich bereits jetzt bei der SWG unter der Telefonnummer 03631 9203 voranmelden.
Die nächsten Schritte werden schon gemacht
Ein Dank erging heute auch in Richtung Stadtverwaltung, man habe gut mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten können, meinte Klaan, das die Bürokratie dem Bauwesen im Wege stehe, davon könne im Ossietzky-Hof keine Rede sein.
Den Startschuss für den Bau der schönen Franzi begrüßte auch Oberbürgermeister Kai Buchmann. Es tut sich etwas in der Stadt und das schon seit 2019. Wir sind nicht auf Rosen gebettet, aber wir haben in den letzten Jahren die richtigen Entscheidungen zur passenden Zeit getroffen und können heute die weitere Perspektive für Nordhausen Nord sehen, sagte Buchmann. Gemeint sind die Semmelweiß- und die Hufelandstraße, nur wenige Meter Luftlinie entfernt. Auch hier baut die SWG, mit den Lehren des Ossietky-Hofes im Hinterkopf, wie Inge Klaan betont. Angelo Glashagel