nnz nachgehakt

Wie steht es um die Wallrothstraße?

Wolfgang Müller ist in Jahren schon ein wenig fortgeschritten. So weit, dass er sich gefragt hat, ob er die Wiedereröffnung der lange gesperrten Wallrothstraße wohl noch erleben wird. Ein guter Grund einmal nachzuhaken, wie es um die lang gesperrte Verkehrsader steht…

Bild: Bilder Wallrothstraße in Nordhausen am 6. August 2026
Wallrothstraße in Nordhausen am 6. August 2026 (Foto: vgf)

Im Juli 2021 war die Wallrothstraße wegen akuter Gefahr für den Verkehr weitestgehend gesperrt worden, man hatte sogar das der Hang hinab zur Altstadt bei normalen Fahrbetrieb einen Abgang machen könnte. Zunächst gab es nur eine einseitige Sperrung, mit Beginn der Bauarbeiten Anfang 2025 ruhte der Verkehr komplett.

Nun die gute Nachricht: der erste Bauabschnitt geht mit großen Schritten seinem Ende entgegen, gestern war Bauabnahme. In knapp anderthalb Jahren Bauzeit wurde die Straße zwischen dem Beethovenring und der Bingerhoftreppe vollständig erneuert – vom Untergrund über den neuen Regenwasserkanal bis zur Oberfläche, dem Gehweg und der Beleuchtung. Neben der Fahrbahndecke wurde dabei auch der Straßenkörper vollständig neu aufgebaut und die Straße insgesamt auf 6,5 Meter verbreitert.

„Möglich wurde das durch einen Hangabtrag auf der Gehegeseite: Rund 1.110 Kubikmeter Boden wurden abgetragen, um aus der bislang 5,50 bis 6,00 Meter breiten Bestandsstraße einen Querschnitt zu gewinnen, der dem heutigen Verkehr gerecht wird. Damit der neu gewonnene Straßenraum dauerhaft standsicher bleibt, wurden auf rund 280 Metern Länge Winkelstützelemente mit Höhen zwischen 0,80 und 1,80 Metern eingebaut.“, teilt das Rathaus mit.

Ganz einfach war das nicht, der Baugrund stellte dabei besondere Anforderungen, denen man durch einen entsprechend angepassten Straßenaufbau Rechnung getragen habe. „Das ist eine Investition, die von außen unsichtbar bleibt, für die Lebensdauer der Straße aber entscheidend ist“, so das Rathaus, gleiches gelte für den neuen Regenwasserkanal.


Der wurde über knapp 425 Metern Länge neu verlegt und mit Kanalhaltungen versehen, die sowohl das Oberflächenwasser der Straße als auch das Hangwasser aus dem Gehege aufnehmen und ableiten. Gerade an einer Hanglage wie der Wallrothstraße sei eine funktionierende Entwässerung die wichtigste Voraussetzung dafür, dass eine Straße dauerhaft intakt bleibe, denn unkontrolliert eintretendes Wasser sei die häufigste Ursache für Frostschäden und Setzungen.
Neuerung auch am Wegesrand und die ist nun deutlich sichtbar für alle: ein neuer, zeitgemäßer und 2,50 Meter breiter Gehweg samt passender Straßenbeleuchtung.

Was hat es (bisher) gekostet?
Für den ersten Bauabschnitt wurden durch die Stadt rund 2,5 Millionen Euro aufgewandt, worunter der eigentliche Bauauftrag in Höhe von rund 1,9 Millionen Euro, sowie die Kosten für die Entsorgung des im Baufeld angetroffenen belasteten Bodens und die Baunebenkosten enthalten sind. Mit im Boot war natürlich auch der Freistaat, der sich über Fördermittel an der Maßnahme beteiligt hat.


Wann und wie kann man wieder fahren?
Die Freigabe der Strecke sollte zeitnah erfolgen, gänzlich freie Fahrt gilt in der Wallrothstraße damit aber noch nicht, schließlich war der Teilabschnitt erst der Aufgabe erster Teil. Zunächst kann der Verkehr wieder als Einbahnstraße vom Geiersberg in Richtung Beethovenring fließen, Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen die Straße wie bisher auch hangaufwärts in Richtung Geiersberg befahren.

Wie geht es weiter?
Diese Verkehrsführung gilt für den Zeitraum zwischen dem ersten und dem zweiten Bauabschnitt, ein konkretes Datum für die Fortsetzung der Arbeiten steht noch allerdings noch nicht fest. Die Planungen für den nächsten Schritt habe man weitestgehend abgeschlossen, wann mit den Bauarbeiten begonnen werden kann, werde vom Wetter im Frühjahr kommenden Jahres abhängen.

„Der Freistaat Thüringen hat die Bereitstellung von Fördermitteln für den zweiten Bauabschnitt zugesagt; wir rechnen kurzfristig mit dem Zuwendungsbescheid. Eine Ausschreibung kann zeitnah nach Eingang des Bescheides auf den Weg gebracht werden, sodass wir im Frühjahr 2027 loslegen können“, teilt die Stadtverwaltung weiter mit. Im zweiten Bauabschnitt werden der grundhafte Ausbau und die Kanalbauarbeiten fortgesetzt, allerdings wird das Gelände nun schwieriger.

Der Hang zwischen der Treppe zum Bingerhof und der Altendorfer Kirche ist abgängig und muss statisch abgesichert werden, so man die Straße wieder voll in Betrieb nehmen will. Dazu braucht es eine aufwendige Stützkonstruktion, die den Hang und damit auch die Straße in Zukunft absichert. Rund 2,7 Millionen Euro Fördergelder sind für diesen Abschnitt beantragt, beim Dritten und letzten Abschnitt hat man diese Klarheit indes noch nicht. „Die Stadt hat im Frühjahr 2026 Fördermittel beim Freistaat Thüringen beantragt; eine Berücksichtigung war in diesem Förderjahr aber noch nicht möglich“, teilt das Rathaus mit, im kommenden Jahr werde eine erneute Anmeldung erfolgen. Werden die Mittel dann bewilligt, könne der grundhafte Ausbau der Wallrothstraße im Jahr 2029 abgeschlossen werden, so die Einschätzung der Stadtverwaltung. Ein paar Jahre muss Herr Müller also noch durchhalten, wenn er die Wallrothstraße noch einmal rauf und runter fahren will.
Angelo Glashagel
    
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