Meine Meinung zum Wasser-Hochbehälter Niedersachswerfen:

Bäume sterben ab

Elf-Sechs-Vier: Hinter diesem Zahlentrio verbergen sich elf noch vital aussehende junge Bäume unterhalb des neuen Wasser-Hochbehälters Niedersachswerfen, sechs zeigen bereits Trockenheitsschäden und vier haben komplett vertrocknetes Laub. Sie sind also möglicherweise abgestorben. Bodo Schwarzberg über seine Beobachtungen...

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Etwa die Hälfte der unterhalb des Hochbehälters gepflanzten Bäume weist Trockenschäden auf oder könnte bereits abgestorben sein. (Foto: B. Schwarzberg)

Die für diesen nnz-Beitrag gezählten Bäume wurden erst in den vergangenen 12 bis 16 Monaten unterhalb des neuen Wasser-Hochbehälters im Naturschutzgebiet Bromberg zwischen Niedersachswerfen und Woffleben wegbegleitend gepflanzt.

Der Hochbehälter im Naturschutzgebiet war notwendig geworden, um stark sulfathaltiges Trinkwasser aus Niedersachswerfen mit weicherem Wasser aus Ellrich mit dem Ziel zu mischen, gesetzliche Vorgaben für die Wasserqualität zu erfüllen. Die nnz berichtete in den vergangenen Jahren mehrfach über das Großprojekt des Wasserverbandes Nordhausen.

Dass der damit verbundene, auch in den nnz-Beiträgen beschriebene massive Eingriff in die Landschaft, dazu noch in ein Naturschutzgebiet, per Gesetz mit so genannten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen kompensiert, also ausgeglichen werden muss, ist ein normaler Vorgang.

Nach meiner Meinung ist ein solcher, mit Versiegelung verbundener Eingriff wegen des Landschaftsverbrauchs zwar nur dann auszugleichen, wenn in der näheren Umgebung eine in etwa entsprechend große, naturschutzfachlich ähnlich zu bewertende Fläche entsiegelt wird, aber landläufig wird, etwas beschönigend und vereinfachend, bereits das Pflanzen von Bäumen als „Ausgleich“ betrachtet.

Und nicht einmal das ist immer von Erfolg gekrönt.

Ob die rund 20 in den letzten Monaten gepflanzten Bäume in der Nähe des neuen Hochbehälters für selbigen als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme dienen, war zudem noch nicht einmal per KI konkret in Erfahrung zu bringen.

Fest aber steht, dass diese frisch gepflanzten, hochstämmigen Bäume mit einer Höhe von geschätzt drei Metern zwar fachmännisch gepflanzt, vor Wildverbiss geschützt und abgestützt, aber offensichtlich nicht ausreichend gegossen wurden, damit sie die zurückliegende massive Trockenheits- und Hitzephase überstehen konnten.

Das Pflanzen von Bäumen als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme oder auch als Ergebnis diverser wohlmeinender Initiativen, endet leider relativ oft mit dem Absterben der Bäume oder doch zumindest in einer gewissen Vernachlässigung.

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Ob diese junge Eiche noch einmal austreiben wird, wissen wir noch nicht. (Foto: B. Schwarzberg)
Schauen Sie sich entlang von Gewerbegebieten, ehemaligen Baustellen oder auch ganz einfach an städtischen Straßen um: Es ist erschreckend, wie viele Bäume in den vergangenen Wochen offensichtlich nicht ausreichend gegossen wurden, bzw. die gepflanzt wurden, ohne bereits im Vorfeld die seit langem bekannten tendenziell extremer werdenden Umweltverhältnisse angemessen zu berücksichtigen. Oder ganz einfach, wie viele Bäume im kommunalen Bereich fehlen.

Durch diese verbreitete Missachtung der Realität oder auch einfach nur durch das schlichte Vergessen längerfristiger Betreuungs- und Gießverpflichtungen, dürften deutschlandweit in jedem Jahr viele Millionen Euro Steuermittel in den Sand gesetzt werden und ein großer ökologischer Schaden entstehen. Denn bereits das Pflanzen eines einzelnen hochstämmigen Baumes mit einer Höhe von drei Metern kann mit mehreren hundert bis über 1.000 Euro zu Buche schlagen. Kaum ein Privatier könnte es sich leisten, so zu wirtschaften.

Das Wichtigste und medial am meisten Aufmerksamkeit Erheischende ist stets die jeweilige Baumaßnahme. Ist selbige erledigt, verschwindet sie aus den Schlagzeilen. Und mit ihr nicht selten auch die gesetzlich vorgeschriebenen so genannten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Die als „Ausgleich“ gepflanzten Bäume aber bedürfen einer mehrjährigen Betreuung, bis sie vielleicht ohne sie auskommen.

Wenn also das Wichtigste für einen frisch gepflanzten Baum, nämlich Wasser, gerade während langer, niederschlagsarmer Phasen nicht ausreichend und nicht regelmäßig genug gegeben wird, stirbt das Gewächs im schlimmsten Fall ab, oder es verliert seine Abwehrkräfte gegen Schadorganismen, meist mit demselben Ergebnis.

Immerhin leben wir in einem der reichsten Länder der Welt. Wir fordern von tropischen Ländern, ihre Regenwälder zu erhalten, haben unsere eigenen mitteleuropäischen Wälder aber fast flächendeckend abgeholzt, wie der ehemalige brasilianische und nun verurteilte Präsident Brasiliens Bolsonaro einst auf europäische Forderungen zum brasilianischen Waldschutz hin bemerkte, und wir bekommen es oft nicht einmal hin, straßen- oder wegbegleitende Bäume regelmäßig so zu pflegen, dass sie nicht eingehen und nicht wieder viel knappes Geld verbrannt wird.

Das, was man draußen sieht, steht auch oft im Gegensatz zur in diesen Tagen so häufig eingeforderten Klimaresilienz, zum Hitzeschutz und zum angeblich angestrebten Wohl der Bevölkerung.

Die Worte vieler Verantwortliche erscheinen wenig glaubhaft, wenn man in Stadt und Landkreis, all zu leicht auf vom drohenden Dürretod gezeichnete Bäume trifft, oder auf Abholzungen zugunsten diverser Bauprojekte, wie mitten in der an Grün armen Nordhäuser Unterstadt vor Nordbrand.

Erst vor einem Jahr musste ich einen ähnlichen Artikel wie den schreiben, den Sie gerade lesen, weil eine Anzahl frisch gepflanzter Bäume bei Badra, ausgestattet mit einem wahrscheinlich seit langem leeren Wassersack, vor dem Vertrocknen standen.

Im vergangenen Jahr fanden Sie noch Retter, ob das auch in diesem Jahr gelang, muss noch recherchiert werden.

Bei einer weiteren Exkursion bei Buchholz zeigte mir ein Baumexperte vor einem Jahr mehrere junge Obstbäume, in deren dünnen Stämmen drahtartige Befestigungsbänder drohten, einzuschneiden. „Wenn sie nicht entfernt werden, sind diese Bäume geliefert“, sagte er damals sinngemäß. Wie viele junge Obstbäume im Landkreis werden davon betroffen sein? Noch habe ich keinen Überblick.

Und ich fürchte, die für die längerfristige Überwachung von Pflanzmaßnahmen meist zuständige Untere Naturschutzbehörde wiedermal auch nicht.

Gehen Sie mit offenen Augen durch Stadt und Landkreis, und Sie werden möglicherweise noch zahlreiche andere traurig anzusehende Bäume finden, zum Beispiel die rund 120 durch eine zu späte Schneitelung abgestorbene oder schwer geschädigte Schneitel-Hainbuchen. Aber vielleicht gibt es hier einen umfassenden Neuanfang. Da sind und bleiben wir dran.

Zurück zu den Bäumen im NSG Bromberg in der Nähe des Mühlbergs: Nochmal: Wer für deren jetzigen Zustand die Verantwortung trägt, weiß ich nicht genau. Braune Blätter führen auch nicht zwangsläufig zum Absterben des Baumes. Aber sie sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier nicht alles so lief, wie es für die Bäume und für den effektiven Einsatz des knappen Geldes sinnvoll gewesen wäre und garantiert mal wieder nicht so, wie es sein sollte.

Bald wissen wir es genauer, - obwohl die Dürreperiode für dieses Jahr nun vielleicht zu Ende geht und das Thema erfahrungsgemäß bis zum nächsten Sommer kaum noch diskutiert werden wird. Wir bleiben trotzdem dran.
Bodo Schwarzberg
    
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