In der Katastrophenhilfe ist die Frage nie, ob, sondern wann man sie braucht, ein Umstand, dem in Kreis und Land in den letzten Jahren oft Rechnung getragen wurde. In der Beschaffung von Material und Fahrzeugen hat sich viel getan, nun soll auch die Standortfrage abschließend geklärt werden…
In den Räumlichkeiten des einstigen Aus- und Fortbildungszentrums in der Rothenburgstraße gibt es nicht nur jede Menge Platz sondern auch einige Einbauten, an denen die Auszubildenden früher den Umgang mit Ziegel, Zement, Beton und Holz gelernt haben. In Zukunft sollen hier Einsatzfahrzeuge des Katastrophenschutzes ein Dach über dem Kopf bekommen (Foto: agl)
Vor etwas über zehn Jahren brach die Katastrophe beim Katastrophenschutz selber herein - in Salza tat sich die Erde auf, direkt neben der Übungsstrecke für den Einsatz mit Atemschutz und nur ein paar Meter entfernt von der Zentrale des Katastrophenschutzes im Landkreis.
Seit dem Erdfall sind die Einsatzzüge über die Kreisstadt verteilt, direkt neben der neuen Berufsfeuerwehr teilt man sich Lagerplätze mit dem Land Thüringen, "Am Schorfe" sind Teile der Einsatzgeräte untergebracht und in der alten Wache der Freiwilligen Feuerwehr Nordhausen Mitte in der Albert-Träger Straße ist der Sanitäts- und Betreuungszug untergekommen, die Wasserwacht bringt Boot in der Rothenburgstraße ins Trockene.
Mit diesem Flickenteppich soll bald Schluss sein, im Frühjahr beschloss der Kreistag eben da das Areal des Bildungswerk BAU, kurz BiW, zu erwerben und zum Bevölkerungsschutzzentrum umzubauen. Die Zentralisierung macht vieles einfacher und effizienter, vor allem in der Unterhaltung. Man braucht zum Beispiel nicht an jedem Standort Leute, die nach der Technik sehen können. Das entlastet in den Strukturen auch das Ehrenamt, erzählt Daniel Kunze.
Der Kreisbrandinspektor führte heute die Mitglieder des Nordhäuser Kreisausschusses über das Gelände und zeigte Hallen, Lagerplätze und Seminarräume und erklärte, wie man sich die Nutzung des weitläufigen Geländes in Zukunft vorstellt. Fahrzeughallen für den Fuhrpark, Lagerplätze für technische Ausstattung und die nationale Blackout Reserve, sprich Generatoren. Seminarräume und Unterbringungsmöglichkeiten für die Kameraden und im Notfall auch Platz für Evakuierte, Sport- und Fitnessräume inklusive Laufband und Endlosleiter und zu guter Letzt auch Platz für die Atemschutzstrecke.
Kreisbrandinspektor Daniel Kunze und Landrat Matthias Jendricke führten über das weitläufige Gelände (Foto: isl)Die ist wie die Wasserwacht schon seit einiger Zeit vor Ort, muss aber dringend erneuert werden. Im Idealfall hat man einen abgedunkelten Raum ohne Fenster, der verraucht und auf 60 bis 70 Grad angeheizt, aber im Notfall auch zügig wieder belüftet werden kann. Im Moment haben wir diese Möglichkeiten so nicht, berichtet Kunze. Was man hat, ist eine große Käfigkonstruktion, durch die sich die Einsatzkräfte in voller Montur durcharbeiten müssen. Verdunkelung erzeugt man, indem die Visiere der Helme abgedeckt werden, ein Umbau des Parcours ist ob des Alters der Anlage nicht mehr möglich. Dennoch wird die Anlage regelmäßig genutzt, ein bis zwei Durchgänge finden fast jede Woche statt, berichtet der Brandinspektor, stehen Schulungen an, können es auch ein paar mehr sein.
Wo einst angehende Handwerker in der Werkstatt den Umgang mit Holz gelernt haben, soll nun der neue Trainingsraum entstehen, so wie es der Idealfall vorsieht. Drumherum ziehen die bis dato verteilten Züge des Katastrophenschutzes ein. Wir sind nicht die Einzigen, die ihren Kat-Schutz gerade zentralisieren. Im Eichsfeld und anderswo hat man sich dazu entschieden neu zu bauen, wir wollen hier das Gelände entwickeln, so dass sich die Sache nicht wie bei einem Bauvorhaben lange hinzieht, erläuterte Landrat Matthias Jendricke dem Kreisausschuss. Über den Kaufpreis schweigt man sich aus - bei Veträgen mit privaten Besitzern greift die Nicht-Öffentlichkeit - dem Kreisausschuss wurde aber versichert, dass die Sache durch Einsparungen und die Veräußerung aktuell genutzter Standorte zumindest Kostenneutral über die Bühne gehen soll. Fördermittel für den Um- und Ausbau werden beim Land beantragt und anders als im Bereich Feuerwehr würden die Fördertöpfe hier selten ausgeschöpft, sekundierte der Kreisbrandinspektor.
In der Rothenburgstraße sei man zudem weit genug von der Wohnbebauung entfernt, um die Bürger nicht um den Schlaf zu bringen, aber dennoch nah genug an Bundesstraße und Autobahn, um schnell in die Fläche zu kommen. Das weitläufige Gelände könne als Aufstellungsraum für rund 300 Einsatzkräfte dienen, so Kunze weiter und bei allem Zuzug bliebe noch ausreichend Platz für die Nachbarn vom Boxverein BSG Altstadt 05, die hier ebenfalls beheimatet sind.
Die Atemschutzstrecke, die Unterbringung der Fahrzeuge und die Ertüchtigung des Sozialtrakts sollen zunächst im Vordergrund stehen, so Kunze weiter, 2027 will man mit den Umbauarbeiten beginnen, im folgenden Jahr soll alles Bezugsfertig sein. Bei Hochwasser bekäme man, trotz der Nähe zur Zorge, selbst bei HQ 100, also einem Jahrhunderthochwasser, noch keine nassen Füße. Und auch die Erde kann sich hier eher nicht auftun, auch das sicher ein Standortvorteil für den Nordhäuser Katastrophenschutz. Angelo Glashagel