Neue Leitung, neues Programm bei der Kreisvolkshochschule
Es strömt sehr angenehm und vielgestaltig
An der Kreisvolkshochschule weht neuer Wind: Seit Anfang März hat Marc Hesse als Direktor übernommen und will auch im neuen Programm breit gefächert mit der Zeit gehen. Was in den nächsten Monaten geboten wird, wurde heute vorgestellt…
Marc Hesse leitet seit März die Nordhäuser Volkshochschule (Foto: agl)
Ein Ort für Begegnungen, für die Entwicklung neuer Kompetenzen, für das Lernen bis ins hohe Alter – das war die Nordhäuser Volkshochschule schon vor 110 Jahren, und daran habe sich bis heute nichts geändert, sagt Marc Hesse, der neue Direktor des Hauses. Allerdings gebe es natürlich neue Themen für die neue Zeit, übergeordnete Trends und Strategien, denen man Rechnung tragen müsse.
Bildung muss für alle offen und erreichbar sein, unabhängig von Alter und Herkunft. Das ist das Wesen der Volkshochschulen, nur die Inhalte und Schwerpunkte verschieben sich mitunter. Wir können uns, zum Beispiel, heute einem Thema wie der Digitalisierung nicht mehr so nähern, wie wir das vor 15 Jahren getan hätten, sagt Hesse.
Für den Sozialpädagogen ist die neue Stelle so etwas wie eine Heimkehr, seinen beruflichen Start nahm Hesse zu Beginn der 2000er Jahre just hier, an der Volkshochschule, seitdem waren die Stationen mannigfaltig und reichten vom Jobcenter bis zur Fachbereichsleitung im Landratsamt. Ich bin in dem Feld zu Hause und im Kern sind die einzelnen Bereiche nicht so verschieden, wie man vielleicht denkt. Aus dem sozialen Bereich kann man viel mit herübernehmen. Wir sind dafür da, Ausgleiche zu schaffen, Lebensläufe positiv zu beeinflussen und in allen Bereichen dafür zu sorgen, dass unsere Mitmenschen in der Gesellschaft mithalten. Auch Bildung gehört zur Daseinsvorsorge. Wer neue Kompetenzen erwirbt, hält eine Verbindung zur Gesellschaft, verbessert sein Leben oder sichert sich auch das berufliche Überleben.
Weiter gut aufgestellt
Zu den Kernaufgaben des Hauses gehören allgemeine Bildungsangebote wie die Förderung der Alphabetisierung und die Möglichkeit, Schulabschlüsse nachzuholen. Die Nachfrage nach diesen Grundpfeilern nahm entgegen dem allgemeinen Trend im Haus in den letzten allerdings ab. An anderer Stelle weiß man hingegen oft gar nicht, wohin mit all den Anfragen, gerade im Gesundheitsbereich sind bestimmte Kurse regelmäßig und zügig ausgebucht. Mit mehr Dozenten und mehr Raum würden wir natürlich auch da gerne mehr anbieten, die Kapazitäten sind dazu aber im Moment nicht gegeben, erläutert Mario Hoche-Arbeiter zur Vorstellung des neuen Programms heute. Das liegt an Räumlichkeiten wie Sporthallen, aber auch an der Verfügbarkeit von Dozenten. Wir sind offen und dankbar für alle Leute, die ihre Leidenschaften teilen wollen, sagt Hesse, der Bedarf an Erneuerung sei wie aller Orten auch an der Volkshochschule hoch.
Mit acht Mitarbeitern, 90 Dozenten, rund 11.000 Stunden Angebot und etwa 5.000 Teilnehmern im Jahr steht man im Thüringer Vergleich aber weiterhin exzellent da und kann auch im neuen Semester eine breite Palette an Kursen, Workshops, Lesungen und anderen Angeboten bieten.
Neue Impulse gebe es dabei viele, sagt Hesse, es strömt sehr angenehm und vielgestaltig auf einen ein. Was an Ideen kommt, muss aber systematisch erfasst werden und wir werden nicht auf Zuruf warten, sondern bestehende Kooperationen pflegen und Methodik, Trends und gesellschaftliche Strategien anpassen.
Klassiker und neue Wege
Der neue Direktor ist an dieser Stelle selbst direkt mit von der Partie - über den Bereich Gesellschaft bringt der ehrenamtliche Feuerwehrmann im neuen Semester Themen wie Katastrophen- und Bevölkerungsschutz mit ins Programm. In Sachen Digitalisierung wird man sich nicht alleine PC und Smartphone, sondern unter dem Titel KI ne Panik auch der künstlichen Intelligenz widmen.
Auf Seiten der Klassiker steht etwa Dr. Bodo Seidels Reihe zu den Weltreligionen wieder im Programm, aber auch soziale Themen wie stationäre Pflege und Sozialhilfe, die stets zügig ausgebuchte internationale Lehrküche, der Smovey Faszien- und Fitnesskurs oder die stets beliebten Bastel- und Tanzangebote.
Viel Neues findet sich im Bereich Sport und Gesundheit, angefangen beim Nordic Walking im Stadtpark bis zum hawaiianischen Hula. Der Hula Kurs ist ein Experiment, anderen Volkshochschulen wurden dazu die Türen förmlich eingerannt, wir werden erst einmal sehen, wie das in Nordhausen läuft, sagt Hoche-Arbeiter. Außerdem im Programm: ein Schnupperkurs für Tennisinteressierte, ein Ballett-Ganzkörper-Workout und Angebote zur seelischen Gesundheit und innerer Resilienz und Stressresistenz.
Im Sprachbereich dominiert Englisch, aber auch Kurse zu Spanisch, Russisch und Polnisch stehen für das neue Semester wieder auf der Agenda.
Umfangreich ist auch das Programm der Außenstellen in Heringen, Ellrich und Bleicherode, unterstreicht Hoche-Arbeiter, gerade in Anbetracht der gestiegenen Spritpreise seien Angebote vor Ort das Gebot der Stunde.
Noch mehr in der Hinterhand
Knapp 300 Kurse stehen im Programm und können über die Webseite der Volkshochschule online gebucht werden. Eine digitale Fassung der Programm-Flyers soll es in den kommenden Tagen geben, zu 100 Prozent vollständig ist der aber bisher nicht. Wir haben für den Herbst noch einige Eisen im Feuer für den Bereich politische Bildung, darunter eine Lesung samt Workshop mit Thilo Baum, der aus seinem Buch Immun gegen Unsinn vortragen wird., kündigt Marc Hesse an. Eine zweite Lesung ist in Vorbereitung, aber noch nicht in trockenen Tüchern.
Wer mehr zum aktuellen Programm erfahren möchte, findet entsprechende Informationen auf der Seite der Nordhäuser Volkshochschule. Sobald das Programm digital vorliegt, wird die nnz auch diese veröffentlichen. Angelo Glashagel