Wanderbericht von Wolfgang Lehmann

Ein Juli von A bis W

Wandern durch die Hainleite von A, wie Arnsburg, bis W, wie Wöbelsburg. Wie zur Warnung begrüßte das zweite Halbjahr die Wanderer mit Regen, schon in der Nacht und bis in den Morgen hinein. Aber eigentlich haben sich alle über diesen Regen und die damit verbundene Abkühlung gefreut...

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Margaretenblick (Foto: Wolfgang Lehmann)


Unter der Führung von Silvia machten sich einige Unverdrossene auf den Weg nach Seega. Bei der Nennung dieses Ortes fallen einem sofort folgenden Dinge ein: Wipperdurchbruch, Papiermühle und Arnsburg. Silvia war gut vorbereitet und gab uns zahlreiche Informationen mit auf den Weg.

Die Arnsburg im Osten der Hainleite, auch Arensburg genannt, wurde erstmals im Jahr 1116 urkundlich erwähnt und im Jahr 1118 erstmals zerstört. Die endgültige Zerstörung erfolgte im Bauernkrieg. Im Übrigen war sie zwischen den Jahren 1356 und 1433 im Besitz der Grafen von Schwarzburg. Den Blicken der Wanderer bietet sich heute eine imposante Ruine. Aus den noch erhaltenen Kellergeschossen strömt noch heute der Duft des Mittelalters.

Anders verlief die Geschichte der Papiermühle, die unterhalb der Burganlage liegt. Anfänglich versorgte sie die Burg als Säge- und Getreidemühle. Erstmals im Jahr 1478 wird sie in einer Urkunde als Papiermühle erwähnt. Sie versorgte die Skriptorien der vielen umliegenden Klöster, z. B. Göllingen, Oldisleben, Donndorf und andere mit Pergamenten.

Ab 1713 bis heute liegt eine fortlaufende Geschichtsschreibung zur Papiermühle vor. Dass das so ist, sei der Arbeit des heutigen Geschäftsführers, Herrn Lutz Großstücks und dem Nachfahren eines einstigen Papiermüllers, Herrn Rolf Fister, zu verdanken. Es würde mich nicht wundern, wenn es sich bei Rolf Fister, um das gleichnamige Ehrenmitglied unseres Wanderklubs handelt.

Bis 1713 wurde in der Mühle handgeschöpftes Büttenpapier und Velinpapier (ähnlich dem Pergament) hergestellt. In der Mitte des 18. Jahrhunderts übernahm Familie Fister die Mühle und das hergestellte Papier erhielt ein Wasserzeichen. Später wurde in der Mühle Graupappe hergestellt (Papierrecycling). Heute produziert man verschiedene Verpackungsmaterialien, wie Packfächer, Großraumgitter und andere.

Am 04.Juli, also dem folgenden Samstag, fand das 26. Gipfeltreffen zusammen mit dem 8. Thüringer Waldgipfel auf dem Gipfel des Schneekopfes bei Gehlberg statt. Leider gab es in diesem Jahr keine Bahnverbindung aus dem Norden Thüringens nach Gehlberg. Trotzdem sind zwei Autobesatzungen von Sondershausen nach Gehlberg gereist und haben bei diesem großen Fest unseren Wanderverein würdig vertreten. Was da oben so alles los war, kann jeder im Wanderboten des Thüringer Gebirgs- und Wandervereins Nummer 3 des Jahres 2026 (Vereinszeitschrift, auch online abrufbar) nachlesen.

Unsere Wanderung am 08. Juli führte uns wieder nach Greußen. Iris Zimmermann, heutige Wanderführerin, erwartete uns bei den Eisteichen, gleich hinter dem Lidl- Markt. Die Eisteiche wurden im Mittelalter zur Herstellung von Eis und zur Kühlung des in Greußen gebrauten Bieres angelegt. Heute sind sie ein wichtiges Domizil der Angler. Wir zogen weiter in Richtung Süd West, vorbei an großen Sonnenblumenfeldern. Die Blumen grüßten uns freundlich und reckten ihre Köpfe der strahlenden Sonne entgegen. Auch einen Teil des Novalisweges passierten wir und machten an dem Agrarbetrieb Keitel unsere Rast.
Von hier konnten wir auf Clingen und Westgreußen sehen. Dann ging es durch Schrebergärten zurück zu den Eisteichen.

Am Mittwoch der folgenden Woche (15.07.26) führt uns Wanderfreund Hans- Peter Wiedemann über einen Teil des Karstwanderweg Südharz. Wir starten in dem kleinen Ort Hörningen, heute ein Ortsteil Nordhausens. Die Sonne scheint und in Kürze erreichen wir das Naturschutzgebiet Sattelköpfe. Vorbei am Hirschenteich, ein Angelgewässer, erreichen wir das Kohnsteinmassiv, an dessen Fuß, also unterhalb des Abbaugebietes, gehen wir weiter und erreichen einen Zugang zum KZ-Mittelbau- Dora. Von hier aus ist es nicht mehr weit und wir erreichen unser heutiges Ziel, die Salzaquelle oder auch Salzaspring genannt. Am hölzernen Beobachtungssteg sind wir der Quelle am nähesten. Hier machen wir Rast. Danach umrunden wir das Quellgebiet. Ab und zu steigen Luftblasen an die Oberfläche und zerplatzen. Das ist das Quellwasser, welches aus den unteren Gesteinsschichten zu Tage tritt. Beim Weiterlaufen erkennt man, wie sich allmählich ein Fluß bildet.

Die Salzaquelle ist die größte Karstquelle Thüringens. Seit 1936 steht sie unter Naturschutz. Der ganze Quellbereich ist mit Informationstafeln gut bestückt. Man erfährt z. B., dass aus den verschiedenen Quelltöpfen etwa 440 l Wasser je Sekunde austreten. Am Ende sind sich alle einig, dass es eine schöne und interessante Wanderung war. Für Manchen aus unserer Gruppe war dies ein erstes Kennenlernen der Salzaquelle.

Schon oft wanderte unsere Gruppe in der Hainleite, einem Bergzug im Norden Thüringens und direkt vor unserer Haustür. Wen wunderts, dass gerade dieser Bergzug der Namensgeber unseres Wandervereins ist? In einer Liste (Wikipedia) fand ich über 20 Burgen, Burganlagen, Wallanlagen und Schlösser, die in der Hainleite zu finden sind und einst dem Schutz der umliegenden Orte und einstigen Handelswege dienten. Auch die Arnsburg (siehe Wanderung vom 04.Juli) gehört zu ihnen. Viele dieser Anlagen, z.B. Spatenburg bei Sondershausen, sind allgemein bekannt und dokumentiert. Es gibt aber auch viele, die im Dickicht des Waldes verborgen liegen und von denen man nicht viel weiß, so wie die Alte Burg Kirchberg bei Wernrode oder die Wöbelsburg bei Hainrode, zu der uns Hannelore Kutscha heute führt. Wer jetzt da mitten im Wald einen prächtigen Bau erwartet hat, wird enttäuscht. Die Wöbelsburg war eine Wallburg, deren Geschichte noch im Dunkel des Waldes versteckt ist. Man sieht hier, dass die natürliche Umgebung, tiefe Gräben und Wälle genutzt wurden, um diese Schutzanlagen zu errichten.

Manchmal findet man noch Muschelkalkbrocken, die in diese Anlagen einbezogen waren. In der näheren Umgebung befinden sich die Ruinen Rauchenberg und Sargberg, deren Entstehung bis in die Zeit um 800 Jahre vor Christi datiert wird.

Wieder am Schloss Wernrode, Ausganspunkt unserer heutigen Wanderung, angekommen, betrachten wir dieses etwas gründlicher. Dessen Entstehungszeit liegt um 1250. Noch lassen sich Spuren einstigen Glanzes erahnen, aber leider auch der drohende Verfall. Ein Besuch der nebenan stehenden kleinen evangelisch- lutherischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert schließt die heutige Wanderung ab.

Die letzte Wanderung im Juli fand am 29.07. statt und führte uns erneut durch die Wälder der Hainleite. Für den Nachmittag dieses Wandertages waren erneut Temperaturen über 30°C angekündigt. Deshalb ging es gleich raschen Tempos los. Unser Wanderführer, Wolfgang Lehmann, führte uns heute vom Hauptbahnhof der Stadt über den Petersenschacht zu den Bebraer Teichen. Danach ging es weiter über den Schanzenweg, den Margaretenblick, hinunter zur Margaretenquelle. An der höchsten Stelle des Schanzenweges (370 m NN) stießen wir heute auf eine Baustelle.

Die Bauarbeiter waren dabei, ein Fundament für einen neuen Funkturm zu erbauen. An Margaretenquelle, der für Sondershausens Wasserversorgung wichtigen Quelle machten wir Rast. Wir hörten tief in das Erdinnere und freuten uns, dass es drinnen ordentlich rauschte und plätscherte. Das bedeutet, dass noch Wasser aus unserer Quelle kommt. Danach ging es zunächst die Possenauffahrt hinauf, um dann über den Waldrandweg zurück zum Hauptbahnhof zu gehen. Die Temperatur hatte jetzt bereits die angekündigte Höhe erreicht.
Wolfgang Lehmann-Hainleite- Wanderklub


    
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