nnz-Kandidaten-Check:

Einnahmen sinnvoll und bürgernah einsetzen

Donnerstag, 07. September 2017, 09:00 Uhr
Am Sonntag wird in Nordhausen eine neue Oberbürgermeisterin oder ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Viel ist über die Kandidaten bekannt, wir haben sie trotzdem ausführlich befragt, auch jenseits der Politik. Heute: Dirk Erfurt (parteilos)...

OB Kandidat Dirk Erfurt (Foto: Dirk Erfurt)

Sollten Sie Oberbürgermeister(in) werden, was wäre ihre erste Amtshandlung?

Nach einem ersten Gespräch mit Frau Wenke werde ich im Haus unterwegs sein und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen persönlich begrüßen. Danach werden sicher schon die ersten offiziellen Termine warten. Im weiteren Tagesverlauf werden mir die Amtsleiter die dringlichsten Probleme schildern und wir werden gemeinsam sofort Entscheidungen herbeiführen.

Haben Sie einen Lieblingsort- oder Platz in Nordhausen?

Der Petersberg, ich bin hier zur Schule gegangen und habe hier meine Kindheit verbracht. Derzeit ein ruhiger Platz, an dem man sich gern an frühere Zeiten erinnert aber auch einen schönen Blick über Nordhausen hat.

Konflikte zwischen Landratsamt und Rathaus prägten zuletzt immer wieder die öffentliche Wahrnehmung, wie gedenken Sie die Zusammenarbeit mit dem Kreis zu gestalten?

Von der ersten Stunde an konstruktiv, Stadt und Landkreis haben gemeinsame Probleme und „Baustellen“, die nur sehr gut aufeinander abgestimmt und gemeinsam gelöst werden können. Hat einer eine gute Idee, von der die Bürger von Stadt und Landkreis profitieren, dann werden wir gemeinsam überlegen wie es umgesetzt werden kann.

Welches Buch darf in ihrem Bücherregal niemals fehlen?

„Aus eigenem Antrieb“ Hubert Schwarz, Erfahrungen eines erfolgreichen Extremsportlers. Selbstdisziplin und Durchhalten sind hier die Themen Hubert Schwarz ist einer der erfolgreichsten Extrem- und Ausdauersportler überhaupt. Drei Teilnahmen am "härtesten Radrennen der Welt", dem RAAM (Race Across America), eine Australienumrundung, zwei Weltumrundungen mit dem Fahrrad. Hubert Schwarz ist also einer, der nicht nur von Motivation redet, sondern sich selbst Tausende Male motivieren und durchhalten musste.

Auch der Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem erfolglosen Menschen besteht oft nur im Durchhaltevermögen. Hier kann man von den Erfahrungen eines Hubert Schwarz eine Menge lernen. Zum Beispiel, dass die oft beschworenen großen Visionen zwar zu Beginn eines solchen Projektes notwendig sind, aber auf der halben Strecke bei einer Weltumrundung eher abtörnend wirken. Würde es Sie motivieren, wenn Sie wüssten, dass Sie nur noch 11.000 km mit dem Rad fahren müssten? In einer solchen Situation geht es darum, die Pedale noch einmal durchzutreten und dann noch ein weiteres Mal.

Im Wahlkampf wurden viele Ideen zur zukünftigen Entwicklung der Stadt eingebracht, die Finanzierungsfrage jedoch kaum angeschnitten. Wie wollen Sie ihre zentralen Vorhaben finanzieren?

Bei den Wahlversprechen habe ich mich gegenüber anderen Kandidaten ganz bewusst zurückhaltend gezeigt.
Ein Wahlversprechen welches ich gern gebe ist, dass ich bei meiner Wahl jedem Ortsteil einen Baum seiner Wahl spendiere und diesen auch selbst finanziere sowie beim Pflanzen mit helfe.

Die vorhanden Probleme und Sorgen müssen dringlich abgearbeitet werden. Nach einer Betrachtung des Haushaltes werden wir erkennen ob, wie und wo finanzielle Spielräume vorhanden sind. Viele Dinge die die Bürger bewegen sind nicht unbedingt mit großen Geldausgaben verbunden. Mit Reparaturen und wieder Dinge in Ordnung bringen kann man schon viel für Nordhausen erreichen.

Die Stadt hat Einnahmen aus unterschiedlichen Quellen, diese müssen sinnvoll und bürgernah eingesetzt werden. Strukturiertes Vorgehen bei kurz- und mittelfristigen Investitionen ist geboten. Für die drei größten Investitionen sind die Fördermittel nun bereitgestellt. Die Eigenmittel müssen für die Jahre der Bauphasen bereitgestellt werden.

Wer ist ihre Lieblingsfigur? Roland, Hexe, Zwanziger oder der olle Ebersberg?

Mit dem Roland wurden der Stadt für bestimmte Privilegien auferlegt und anvertraut. Alle vier sind liebeswürdige und interessante Persönlichkeiten die Herz und Zunge an der richtigen Stelle haben. Ich selbst habe bereits jahrelange Erfahrungen mit dem Neustädter Roland und der Neustädter Rolandgruppe und möchte keinen missen. Herr Greiner, bitte verlangen Sie nicht von mir, dass ich mich festlegen muss.

Die alten Brachflächen in der Innenstadt verschwinden zusehends. Wo und wie soll ein Nordhausen neuer Wohnraum entstehen? Wo neuer Parkraum?

Mein Favorit für die Schaffung von Wohn- und Parkraum sind alte innerstädtische Industrieflächen und Industriegebäude. Diese bieten nach einem Ausbau so viele interessante Wohnmöglichkeiten, nicht nur für junge Menschen. Schlagen Sie die Nordhausen-Karte auf und Sie erkennen sofort die Möglichkeiten. Selbstverständlich müssen die Eigentümer überzeugt werden. Ein weiteres „zu betonieren“ in den Stadtteilen halte ich nicht für sinnvoll. In den Ortsteilen gibt es noch interessante Wohngebiete die noch freie Kapazitäten haben.

Parkflächen auch Kurzzeitparkplätze müssen in der Innenstadt, besonders in der Nähe von Geschäften möglich werden. Jedoch dürfen solche chaotischen Parkflächen wir in der Rautenstraße nicht wieder gebaut werden. Wer war eigentlich die dafür zuständige Baudezernentin? Was Gedenken Sie für die Ortsteile der Stadt zu tun?
Hier hat Kommunikation und ein Füreinander höchste Priorität. Ein Mitnehmen und Beteiligen bei Entscheidungen der Bürger in den Ortsteilen ist wichtig. Erhalt des ÖPNV als Anbindung an die Stadt. Die Radwegeanbindung zwischen den Ortsteilen und auch zur Stadt muss dringend verbessert werden.

Sollten mehr Ausschüsse der Stadt öffentlich tagen?

Ich persönlich habe kein Problem damit, wenn Dinge öffentlich beraten werden. Als Einschränkung steht jedoch wenn Rechte Dritter betroffen sind. Mehr Öffentlichkeit wird die Themen der Stadt auch schneller und genauer transportieren.

Rock-Konzert oder Verdi-Oper?

Beides ist in Nordhausen möglich. Für beides habe ich Verständnis und nehme auch gern hin und wieder persönlich an solchen Veranstaltungen teil.

Wie weiter mit der Theaterfinanzierung ein Fass ohne Boden oder unabdingbar?

Auch hier gilt mit Maß und Vernunft die Sanierung des Gebäudes anzupacken, was notwendig ist und gebraucht wird muss da sein. Die Finanzielle Unterstützung ist ja nun endlich bestätigt. Das Theater braucht die Region und die Region braucht das Theater.

Vereinshaus Thomas Mann verkaufen?

Der Verkauf des Vereinshauses ist nicht mehr aufzuhalten. Der Stadtrat hat sich dazu bereits positioniert. Als Alternative biete ich den Vereinen an, öffentliche Gebäude der Stadt intensiver für die Vereinsarbeit zu nutzen. Mit der Schaffung einer „Ehrenamtsagentur“, vielleicht sogar direkt in der Bibliothek haben wir einen zentralen Punkt inmitten der Stadt, der sinnvoll ergänzt und genutzt werden kann.

Der Kandidatencheck wird morgen mit Jutta Krauth (SPD) fortgesetzt